Berufslexikon

Arzt/Ärztin

Illustration zum Beruf Ärztin oder Arzt

Ärztinnen und Ärzte untersuchen, diagnostizieren und behandeln Krankheiten und Verletzungen und begleiten Menschen dabei, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden. Der Weg dorthin führt über ein mehrjähriges Medizinstudium an einer Universität und eine anschliessende, ebenso lange Weiterbildung zum Facharzttitel in einem Spital oder einer Praxis. Der Beruf verbindet naturwissenschaftliches Wissen mit direktem Patientenkontakt und trägt eine hohe Verantwortung für das Wohl anderer Menschen. Er eignet sich für Personen mit ausgeprägtem Interesse an Medizin und Biologie, Belastbarkeit und der Bereitschaft, sich ein Leben lang weiterzubilden.

Das macht eine Ärztin oder ein Arzt

Ärztinnen und Ärzte behandeln Krankheiten und Verletzungen und begleiten Menschen bei der Genesung. Sie untersuchen Patientinnen und Patienten sorgfältig, werten die Ergebnisse aus und stellen darauf aufbauend eine Diagnose. Je nach Situation legen sie eine Therapie fest, führen selbst kleinere Eingriffe durch oder überweisen an eine spezialisierte Fachperson. Nach dem Studium arbeiten sie zunächst mehrere Jahre in Weiterbildung an einem Spital oder in einer Praxis und vertiefen sich dabei in ein Fachgebiet. Neben der Behandlung akuter Beschwerden beraten sie auch zu Vorsorge und einem gesunden Lebensstil. Der Beruf eignet sich für Menschen mit ausgeprägtem Interesse an Naturwissenschaften, hoher Verantwortungsbereitschaft und Freude am Kontakt mit Menschen in oft belastenden Situationen.

Typische Aufgaben

  • Patientinnen und Patienten untersuchen, zum Beispiel abhören, röntgen oder die Konzentrationsfähigkeit testen
  • Diagnosen stellen und die passende Behandlung festlegen, etwa Physiotherapie oder eine Gesprächstherapie
  • kleinere Eingriffe und ambulante Massnahmen durchführen, zum Beispiel Wunden versorgen oder Spritzen verabreichen
  • weiterführende Behandlungen einleiten und bei Bedarf an Fachärztinnen, Fachärzte oder andere Spezialistinnen und Spezialisten überweisen
  • den Verlauf des Gesundheitszustands während der Behandlung beobachten und dokumentieren
  • Patientinnen und Patienten zu Prävention und einem gesunden Lebensstil beraten

Ein Tag als Arzt/Ärztin

Tagdienst als Assistenzärztin oder Assistenzarzt · Kantonsspital

  1. Morgenrapport: Übergabe von der Nachtschicht und Besprechung der aktuellen Fälle im Team.
  2. Visite auf der Station gemeinsam mit der zuständigen Fachärztin oder dem zuständigen Facharzt.
  3. Dokumentation der Visite, Verordnung von Medikamenten und Anordnung weiterer Diagnostik.
  4. Neuaufnahme einer Patientin oder eines Patienten: Anamnese erheben und körperlich untersuchen.
  5. Mittagspause.
  6. Befunde aus Labor und Bildgebung auswerten und mit der Oberärztin oder dem Oberarzt besprechen.
  7. Kleinere Eingriffe und ambulante Massnahmen durchführen, etwa Wundversorgung oder Blutentnahmen.
  8. Aufklärungsgespräch mit Patientinnen, Patienten oder Angehörigen zum weiteren Vorgehen.
  9. Übergaberapport an den Spät- oder Pikettdienst.

Hinweis: Der dargestellte Tagesablauf ist ein Beispiel und dient zur Orientierung. Je nach Institution, Einsatzbereich und konkreter Situation kann der tatsächliche Arbeitsalltag davon abweichen.

Arbeitszeiten

Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung arbeiten meist in einem Modell mit Tag-, Spät- und Nachtdiensten sowie zusätzlichem Pikettdienst für Notfälle. Die effektive Wochenarbeitszeit liegt in der Praxis häufig über der vertraglichen 42-Stunden-Woche, da Diensteinsätze und administrative Arbeiten dazukommen. Arbeitstage können lang sein, und auch Einsätze in der Nacht sowie an Wochenenden gehören zum Berufsalltag. Teilzeitarbeit ist vor allem in Anstellungsverhältnissen an Spitälern zunehmend verbreitet, in einer eigenen Praxis oder in Führungsfunktionen jedoch schwieriger umzusetzen.

Gehalt

Der Lohn hängt stark von der Weiterbildungsstufe, dem Fachgebiet, dem Kanton und der Institution ab und steigt mit jedem Weiterbildungsjahr an. Die folgende Übersicht zeigt typische Bruttolöhne pro Monat.

Stufe Bruttolohn
Ausbildung Kein Lohn während des Bachelor- und Masterstudiums an der Universität
Berufseinstieg CHF 6'700-7'900 brutto pro Monat
Mit einigen Jahren Berufserfahrung CHF 8'000-9'500 brutto pro Monat
In Spezial- oder Führungsfunktion CHF 9'500-13'000 brutto pro Monat

Zulagen und Zusatzleistungen

Zusätzlich zum Grundlohn werden häufig Zulagen ausgerichtet, insbesondere für:

  • Nachtarbeit
  • Wochenend- und Feiertagsarbeit
  • Pikettdienst (Rufbereitschaft)
  • besondere Erschwernisse im Fachgebiet

Die Angaben sind Richtwerte und können je nach Arbeitgeber, Kanton und Gesamtarbeitsvertrag, etwa jenem des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte vsao, deutlich abweichen.

Arbeitskleidung

Ärztinnen und Ärzte tragen im Spital- und Praxisalltag meist einen weissen Arztkittel über ziviler Kleidung oder spitaleigene OP-Kleidung, die von der Institution gestellt und gereinigt wird. Die Kleidung muss hygienischen Anforderungen genügen, strapazierfähig sein und den täglichen Kontakt mit Desinfektionsmitteln aushalten. Ein sichtbares Namensschild gehört ebenso zur Grundausstattung wie festes, rutschfestes Schuhwerk. Bei Untersuchungen und Eingriffen kommt zusätzliche persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe, Masken oder Schutzbrillen zum Einsatz, insbesondere im Operationssaal oder im Umgang mit infektiösen Patientinnen und Patienten.

Berufsaussichten & Arbeitsmarkt

Ausbildung

Nach der gymnasialen Maturität, einer Berufsmaturität mit Passerelle oder einem Bachelorabschluss folgt ein sechsjähriges Studium der Humanmedizin an einer Universität, gegliedert in ein Bachelor- und ein Masterstudium mit wachsendem Praxisanteil. Es schliesst mit der eidgenössischen Prüfung in Humanmedizin ab. Danach folgt eine mehrjährige, praxisbegleitende Weiterbildung zu einem der 45 Facharzttitel an einer vom Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF anerkannten Weiterbildungsstätte.

Ausbildungsinstitutionen

Arbeitsmarktlage

Die Berufsaussichten für Ärztinnen und Ärzte gelten als gut, hängen jedoch vom gewählten Fachgebiet und von regionalen Unterschieden ab.

Offene Stellen in diesem Beruf

So wirst du Ärztin oder Arzt

Der Weg zum Arztberuf beginnt mit der gymnasialen Maturität, einer Berufsmaturität mit bestandener Passerelle oder einem Bachelorabschluss einer Fachhochschule, Pädagogischen Hochschule oder Universität. Melden sich mehr Interessierte an als Studienplätze vorhanden sind, führen die Deutschschweizer Universitäten einen obligatorischen Eignungstest durch. Das Studium der Humanmedizin dauert sechs Jahre und gliedert sich in ein dreijähriges Bachelor- und ein dreijähriges Masterstudium mit wachsendem Praxisanteil, unter anderem durch Blockpraktika in Spital und Hausarztpraxis. Es schliesst mit der eidgenössischen Prüfung in Humanmedizin ab, die zur unselbstständigen Tätigkeit in einem Spital oder einer Arztpraxis berechtigt. Danach folgt eine mehrjährige Weiterbildung zum Facharzttitel an einer anerkannten Weiterbildungsstätte, die je nach Fachgebiet fünf bis sechs Jahre dauert. Erst der Facharzttitel ermöglicht die selbstständige Berufsausübung, etwa in einer eigenen Praxis.

Anforderungen

  • ausgeprägtes Interesse an Naturwissenschaften und Medizin
  • hohe Belastbarkeit und Stressresistenz
  • Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt
  • gute Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit Patientinnen und Patienten
  • Teamfähigkeit in der Zusammenarbeit mit Pflege und anderen Fachpersonen
  • Bereitschaft zu lebenslangem Lernen

Arbeitgeber

Ärztinnen und Ärzte arbeiten hauptsächlich in Spitälern und Kliniken sowie in eigener oder angestellter Funktion in einer Arztpraxis oder in einem Gesundheitszentrum. Weitere Anstellungsmöglichkeiten bieten Versicherungen, die öffentliche Verwaltung sowie Institutionen der Alters- und Langzeitpflege.

Weiterbildungen & Aufstiegsmöglichkeiten

Nach dem eidgenössischen Arztdiplom steht die Wahl aus 45 Facharzttiteln mit insgesamt 37 Schwerpunkten offen, mit denen sich Ärztinnen und Ärzte auf ein Fachgebiet spezialisieren. Darauf aufbauend eröffnen sich verschiedene Laufbahnen in Klinik, eigener Praxis, Wissenschaft oder Führung.

Weitere Wege mit diesem Beruf

Spezialisierung in einem Fachgebiet

Mit dem Facharzttitel, etwa in Chirurgie, Kinder- und Jugendmedizin oder Psychiatrie und Psychotherapie, vertiefen sich Ärztinnen und Ärzte in ein Gebiet und können zusätzliche Schwerpunkte erwerben.

Selbstständigkeit in eigener Praxis

Mit dem Facharzttitel und einer kantonalen Praxisbewilligung können Ärztinnen und Ärzte eine eigene Einzel- oder Gruppenpraxis eröffnen und selbstständig tätig sein.

Karriere in Spital und Führung

Wer im Spital bleibt, durchläuft häufig die Stufen Assistenzarzt, Oberarzt und Leitender Arzt bis hin zur Chefarztfunktion mit Team- und Abteilungsverantwortung.

Wissenschaft und Lehre

Mit einem Doktorat oder einer Habilitation eröffnen sich Wege in die medizinische Forschung und in die Lehre an einer universitären Institution.

Aufstiegsmöglichkeiten

  • Oberärztin oder Oberarzt
  • Leitende Ärztin oder Leitender Arzt
  • Chefärztin oder Chefarzt
  • Praxisinhaberin oder Praxisinhaber
  • Departements- oder Klinikleitung
  • Vertrauensärztin oder Vertrauensarzt bei einer Versicherung

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Ausbildung zur Ärztin oder zum Arzt?

Das Medizinstudium dauert sechs Jahre und schliesst mit der eidgenössischen Prüfung in Humanmedizin ab. Für die selbstständige Berufsausübung folgt danach eine Weiterbildung zum Facharzttitel von fünf bis sechs Jahren.

Was verdient man als Ärztin oder Arzt in der Schweiz?

Der Lohn steigt mit jedem Weiterbildungsjahr deutlich an, vom Berufseinstieg als Assistenzärztin oder Assistenzarzt bis zur Facharzt- oder Führungsfunktion. Massgebend sind zudem Kanton, Institution und Fachgebiet.

Ist ein Quereinstieg in den Arztberuf möglich?

Ohne abgeschlossenes Medizinstudium ist ein direkter Quereinstieg nicht möglich. Personen mit einem ausländischen Arztdiplom können unter bestimmten Voraussetzungen ein Anerkennungsverfahren bei der Medizinalberufekommission MEBEKO durchlaufen.

Braucht es für das Medizinstudium einen Numerus Clausus?

Melden sich mehr Interessierte an als Studienplätze zur Verfügung stehen, führen die Deutschschweizer Universitäten einen obligatorischen Eignungstest durch. Über die Durchführung wird jedes Jahr neu entschieden.

Ist Teilzeitarbeit als Ärztin oder Arzt möglich?

Teilzeitarbeit ist vor allem in einer Anstellung an einem Spital oder in einer Gruppenpraxis teilweise möglich. In einer eigenen Einzelpraxis oder in leitenden Funktionen ist sie deutlich schwieriger umzusetzen.

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