Berufslexikon

Jugendarbeiter/-in

Illustration zum Beruf Fachperson Jugendarbeit

Fachpersonen für Jugendarbeit gestalten im Auftrag von Gemeinden oder Trägervereinen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Freizeit-, Beratungs- und Beteiligungsangebote für Kinder und Jugendliche. Sie betreiben Jugendtreffs und Jugendzentren, sind im öffentlichen Raum unterwegs und begleiten junge Menschen niederschwellig in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung. Der Beruf eignet sich für Menschen, die gerne mit Jugendlichen auf Augenhöhe arbeiten, Beziehungen aufbauen und gleichzeitig organisatorische sowie konzeptionelle Aufgaben übernehmen. Eine eigenständige, staatlich geregelte Grundausbildung zur Fachperson Jugendarbeit gibt es in der Schweiz nicht, der Zugang erfolgt über eine Ausbildung in Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik oder Soziokultureller Animation.

Das macht eine Fachperson Jugendarbeit

Fachpersonen für Jugendarbeit betreiben niederschwellige Treffpunkte, an denen sich Kinder und Jugendliche ohne Anmeldung aufhalten, austauschen und ihre Freizeit gestalten können. Sie planen und begleiten Projekte, Workshops, Lager sowie kulturelle oder sportliche Anlässe, die auf die Bedürfnisse und Interessen der jeweiligen Altersgruppe abgestimmt sind. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist die Beziehungsarbeit: Sie hören zu, beraten in Krisensituationen und vermitteln bei Bedarf an Fachstellen wie Schulsozialarbeit, Suchtberatung oder Jugendanwaltschaft weiter. Sie arbeiten oft aufsuchend im öffentlichen Raum, etwa an Treffpunkten von Jugendlichen im Quartier, und pflegen den Kontakt zu Schulen, Vereinen und Behörden. Daneben gehören konzeptionelle und administrative Arbeiten wie Projektberichte, Budgetplanung oder Öffentlichkeitsarbeit zum Alltag. Partizipation ist zentral: Kinder und Jugendliche werden aktiv in die Gestaltung der Angebote miteinbezogen.

Typische Aufgaben

  • Jugendtreff oder Jugendzentrum betreuen und offene Angebote gestalten
  • Freizeitprojekte, Workshops, Lager und Anlässe planen und durchführen
  • Einzelne Jugendliche und Gruppen beraten und in Krisensituationen begleiten
  • Im öffentlichen Raum aufsuchend arbeiten und Kontakt zu Jugendlichen pflegen
  • Mit Schulen, Behörden, Eltern und weiteren Fachstellen zusammenarbeiten
  • Projekte dokumentieren, Berichte verfassen und Angebote budgetieren

Ein Tag als Fachperson Jugendarbeit

Nachmittags- und Abenddienst · Kommunale Kinder- und Jugendfachstelle mit Jugendtreff

  1. Räume für den Jugendtreff herrichten sowie administrative Arbeiten und E-Mails erledigen.
  2. Teamsitzung zur Wochenplanung und zum Austausch über einzelne Jugendliche.
  3. Aufsuchende Arbeit im Quartier, Kontakt zu Jugendlichen an bekannten Treffpunkten pflegen.
  4. Mittagspause.
  5. Jugendtreff öffnet, Kinder und Jugendliche empfangen und offene Angebote begleiten.
  6. Gemeinsames Kochen und Essen mit den Jugendlichen im Treff.
  7. Themenworkshop oder Projektarbeit mit einer festen Jugendgruppe durchführen.
  8. Jugendtreff schliessen, aufräumen und Tagesnotizen erfassen.

Hinweis: Der dargestellte Tagesablauf ist ein Beispiel und dient zur Orientierung. Je nach Institution, Einsatzbereich und konkreter Situation kann der tatsächliche Arbeitsalltag davon abweichen.

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten in der Jugendarbeit richten sich stark nach den Bedürfnissen der Zielgruppe und liegen deshalb häufig am Nachmittag, am Abend und teilweise am Wochenende. Viele Stellen sind nach Jahresarbeitszeit organisiert, sodass sich ruhigere Phasen etwa in den Schulferien mit intensiveren Einsätzen bei Anlässen und Lagern abwechseln. Teilzeitpensen zwischen 20 und 80 Prozent sind in diesem Berufsfeld weit verbreitet und werden von vielen Gemeinden und Trägervereinen aktiv angeboten. Feste Einsätze am Freitag- oder Samstagabend gehören für viele Fachpersonen zum festen Bestandteil des Pensums.

Gehalt

Der Lohn richtet sich vor allem nach der zugrunde liegenden Ausbildung, dem Pensum, der Trägerschaft und dem jeweiligen Gemeinde- oder Gesamtarbeitsvertrag. Die folgende Tabelle zeigt typische Bruttolöhne pro Monat bei einem Vollzeitpensum je Erfahrungsstufe.

Stufe Bruttolohn
Ausbildung CHF 3'500-4'500 brutto pro Monat
Berufseinstieg CHF 5'800-6'800 brutto pro Monat
Mit einigen Jahren Berufserfahrung CHF 6'800-7'800 brutto pro Monat
In Spezial- oder Führungsfunktion CHF 7'800-9'500 brutto pro Monat

Zulagen und Zusatzleistungen

Je nach Gemeinde oder Trägerschaft kommen zum Grundlohn weitere Entschädigungen hinzu, etwa für:

  • Abend- und Wochenendzulage
  • Pikettentschädigung bei Bereitschaftsdiensten
  • 13. Monatslohn
  • Weiterbildungsbeiträge

Die Angaben sind Richtwerte und können je nach Gemeinde, Kanton, Trägerschaft und Pensum deutlich abweichen.

Arbeitskleidung

Für Fachpersonen der Jugendarbeit gibt es keine vorgeschriebene Berufskleidung oder Uniform. Da die Arbeit viel Bewegung im Jugendtreff, im öffentlichen Raum und bei Freizeitanlässen umfasst, wird meist praktische, robuste und wetterfeste Alltagskleidung getragen. Manche Trägerschaften stellen T-Shirts, Hoodies oder Jacken mit Institutionslogo zur Verfügung, damit die Fachpersonen bei der aufsuchenden Arbeit im Quartier für Jugendliche gut erkennbar sind. Bei Lagern, Sportanlässen oder handwerklichen Projekten wird je nach Tätigkeit zusätzliche funktionale Kleidung oder Schutzausrüstung benötigt. Bei Kontakten mit Behörden, Eltern oder Schulen wird ein gepflegtes, unaufdringliches Auftreten erwartet.

Berufsaussichten & Arbeitsmarkt

Ausbildung

Ein eigenständiger, staatlich geregelter Abschluss zur Fachperson Jugendarbeit existiert in der Schweiz nicht. Der Zugang erfolgt in der Regel über ein Vollzeitstudium in Sozialpädagogik HF, Soziokultureller Animation FH oder Sozialer Arbeit FH von jeweils 3 Jahren, oder über die berufsbegleitende Variante Sozialpädagogik HF von 4 Jahren neben einer Anstellung im Sozialbereich. Wer bereits über eine vergleichbare Ausbildung oder mehrjährige Praxiserfahrung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit verfügt, kann gemäss den Standards des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ auch über eine gezielte Nachqualifizierung in den Beruf einsteigen.

Ausbildungsinstitutionen

Offene Stellen in diesem Beruf

So wirst du Fachperson Jugendarbeit

Der Einstieg in die Jugendarbeit führt über ein Studium in Sozialpädagogik HF, Soziokultureller Animation FH oder Sozialer Arbeit FH, das theoretische Ausbildung mit umfangreichen Praxiseinsätzen kombiniert. Im Vollzeitmodell dauert die Ausbildung 3 Jahre, im berufsbegleitenden Modell der Sozialpädagogik HF 4 Jahre bei gleichzeitiger Anstellung von mindestens 50 Prozent im Berufsfeld. Nach Abschluss der Grundausbildung bewerben sich Interessierte gezielt auf Stellen bei Gemeinden, Fachstellen oder Trägervereinen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ein Quereinstieg mit vergleichbarer Ausbildung, etwa in Diakonie oder Sozialer Arbeit, ist möglich, sofern eine Nachqualifizierung gemäss den Standards des DOJ erfolgt.

Offene Praktikumsstellen

Anforderungen

  • Freude am Kontakt mit Kindern und Jugendlichen und Beziehungsfähigkeit
  • Empathie kombiniert mit Durchsetzungsvermögen und klaren Grenzen
  • Kreativität und Organisationstalent bei der Projekt- und Angebotsgestaltung
  • Selbstständige, strukturierte Arbeitsweise auch bei wechselnden Situationen
  • Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten am Abend und Wochenende
  • Interkulturelle Kompetenz und Verständnis für unterschiedliche Lebenswelten

Arbeitgeber

Fachpersonen für Jugendarbeit sind hauptsächlich bei Gemeinden, kommunalen Kinder- und Jugendfachstellen sowie bei Trägervereinen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit angestellt. Je nach Region kommen auch Quartierzentren, regionale Jugendfachstellen oder Projekte der Gemeinwesenarbeit als Arbeitgeber infrage.

Weiterbildungen & Aufstiegsmöglichkeiten

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit bietet vielfältige Wege zur fachlichen Vertiefung und für den Aufstieg in Führungs- oder Fachfunktionen. Weiterbildungen reichen von thematischen Spezialisierungen bis zu Studiengängen auf Masterstufe.

Weitere Wege mit diesem Beruf

Spezialisierung in einem Fachbereich

Fachpersonen können sich beispielsweise auf Gewaltprävention, Medienpädagogik, interkulturelle Arbeit oder Sozialraumarbeit spezialisieren und entsprechende CAS- oder Fachkurse besuchen.

Karriere in Führung und Leitung

Mit einem CAS oder DAS in Leadership und Management übernehmen Fachpersonen die Leitung von Jugendfachstellen oder Trägervereinen und tragen Personal- und Budgetverantwortung.

Studium auf Masterstufe

Wer sich wissenschaftlich vertiefen oder in Forschung, Lehre oder Konzeptarbeit tätig werden möchte, kann ein Masterstudium in Sozialer Arbeit anschliessen.

Wechsel in verwandte Arbeitsfelder

Erfahrungen in der Jugendarbeit erleichtern den Wechsel in verwandte Felder wie Schulsozialarbeit, Gemeinwesenarbeit oder die Arbeit in sozialpädagogischen Institutionen.

Aufstiegsmöglichkeiten

  • Leiter/in einer Kinder- und Jugendfachstelle
  • Fachverantwortliche/r Offene Kinder- und Jugendarbeit
  • Kinder- und Jugendbeauftragte/r einer Gemeinde
  • Projektleiter/in für Präventions- oder Partizipationsprojekte
  • Geschäftsführer/in eines Trägervereins
  • Dozent/in an einer Fachschule im Sozialbereich

Häufige Fragen

Gibt es eine eigene Ausbildung zur Jugendarbeiterin oder zum Jugendarbeiter?

Nein, in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es keinen eigenständigen, staatlich geregelten Abschluss. Der Zugang erfolgt über eine Ausbildung in Sozialpädagogik HF, Soziokultureller Animation FH oder Sozialer Arbeit FH.

Ist ein Quereinstieg möglich?

Ja, mit vergleichbarer Ausbildung oder mehrjähriger Praxiserfahrung im Sozialbereich ist ein Quereinstieg über eine gezielte Nachqualifizierung gemäss den Standards des DOJ möglich.

Wie viel verdient man als Fachperson Jugendarbeit?

Der Lohn liegt beim Berufseinstieg meist zwischen CHF 5'800 und 6'800 brutto pro Monat bei einem Vollzeitpensum und steigt mit Erfahrung und Verantwortung. Die genaue Höhe hängt stark von der Gemeinde und der Trägerschaft ab.

Warum sind Teilzeitpensen in diesem Beruf so verbreitet?

Viele Stellen in der Jugendarbeit sind bewusst klein dimensioniert und nach Jahresarbeitszeit organisiert, um die Abend- und Wochenendeinsätze flexibel abzudecken. Deshalb arbeiten viele Fachpersonen in einem Teilzeitpensum oder kombinieren mehrere Anstellungen.

Wie lange dauert die zugrunde liegende Ausbildung?

Je nach Weg dauert die Ausbildung 3 Jahre im Vollzeitmodell oder 4 Jahre berufsbegleitend, jeweils inklusive umfangreicher Praxisanteile.

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