Berufslexikon
Sozialarbeiter/-in FH
Sozialarbeitende FH unterstützen Menschen in schwierigen Lebenslagen dabei, wieder Fuss zu fassen im Alltag, sei es bei finanziellen Notlagen, Wohnungsproblemen, Sucht oder familiären Krisen. Sie führen Beratungsgespräche, klären Ansprüche auf Unterstützung ab und vernetzen ihre Klientinnen und Klienten mit den passenden Fachstellen, Behörden oder medizinischen Angeboten. Der Beruf verbindet zwischenmenschliches Engagement mit rechtlichem und administrativem Wissen und verlangt eine hohe Portion Einfühlungsvermögen ebenso wie Durchsetzungsvermögen. Er eignet sich für Menschen, die gerne mit unterschiedlichsten Personen arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich in komplexe soziale und rechtliche Zusammenhänge einarbeiten möchten.
Das macht eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter FH
Sozialarbeitende FH begleiten Menschen, die aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr aus ihrer Situation finden, zum Beispiel bei Armut, Wohnungslosigkeit, Sucht, familiären Konflikten oder nach einer Haftentlassung. Im Zentrum steht das Beratungsgespräch: Die Fachpersonen schaffen eine vertrauensvolle Atmosphäre, klären gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten deren Bedürfnisse und Ressourcen und legen realistische Ziele fest. Darauf aufbauend leiten sie konkrete Massnahmen ein, etwa die Beantragung von Sozialhilfe, die Vermittlung an eine Suchtberatung oder die Organisation einer Wohnung. Ein grosser Teil der Arbeit besteht aus administrativen Aufgaben wie dem Führen von Dossiers, dem Verfassen von Berichten und der Verwaltung von Finanzfragen der Klientinnen und Klienten. Zudem stehen Sozialarbeitende regelmässig im Austausch mit Ärztinnen, Anwälten, Psychologinnen, Schulen und Behörden, um die Unterstützung optimal zu koordinieren.
Typische Aufgaben
- Beratungsgespräche mit Klientinnen und Klienten führen und Vertrauen aufbauen
- Bedürfnisse, Ressourcen und mögliche Unterstützungsmassnahmen abklären
- Anträge für Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen oder andere Unterstützungen bearbeiten
- Dossiers führen, Berichte verfassen und Finanzen der Klientinnen und Klienten verwalten
- mit Behörden, Ärztinnen, Anwälten und weiteren Fachpersonen zusammenarbeiten
- Klientinnen und Klienten bei Behördengängen und in Krisensituationen begleiten
Ein Tag als Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter FH
Tagesdienst · Sozialdienst einer Gemeinde
- E-Mails und Post sichten, Tag planen und Dossiers vorbereiten
- Beratungsgespräch mit einer Klientin zu einem Sozialhilfegesuch
- Telefonate mit Behörden und Fachstellen zur Koordination von Unterstützungsmassnahmen
- Beratungsgespräch mit einer Familie in einer finanziellen Notlage
- Mittagspause
- Hausbesuch bei einer Klientin zur Situationsabklärung
- Dossiers bearbeiten sowie Berichte und Verfügungen verfassen
- Fallbesprechung im Team
- Administrative Abschlussarbeiten und Vorbereitung des nächsten Tages
- Feierabend
Hinweis: Der dargestellte Tagesablauf ist ein Beispiel und dient zur Orientierung. Je nach Institution, Einsatzbereich und konkreter Situation kann der tatsächliche Arbeitsalltag davon abweichen.
Arbeitszeiten
Sozialarbeitende FH arbeiten grösstenteils zu Bürozeiten zwischen Montag und Freitag, häufig mit Gleitzeitmodellen. Vollzeitstellen umfassen in der Regel 41 bis 42 Wochenstunden, Teilzeitpensen zwischen 60 und 90 Prozent sind in vielen Institutionen üblich. Je nach Arbeitsbereich fallen gelegentlich Termine ausserhalb der üblichen Bürozeiten an, etwa Abendsitzungen mit Angehörigen oder Hausbesuche am frühen Abend. In gewissen Bereichen wie dem Kindes- und Erwachsenenschutz oder der Opferhilfe kann zusätzlich ein Pikettdienst für dringende Fälle gehören.
Gehalt
Der Lohn von Sozialarbeitenden FH hängt vor allem von der Berufserfahrung, dem Anstellungsbereich (öffentliche Verwaltung oder private Institution) und dem Kanton ab. Die folgende Tabelle zeigt typische Bruttolöhne pro Monat nach Erfahrungsstufe.
| Stufe | Bruttolohn |
|---|---|
| Ausbildung | |
| Berufseinstieg | CHF 5'700-6'800 brutto pro Monat |
| Mit einigen Jahren Berufserfahrung | CHF 7'200-8'200 brutto pro Monat |
| In Spezial- oder Führungsfunktion | CHF 8'500-10'000 brutto pro Monat |
Zulagen und Zusatzleistungen
Neben dem Grundlohn sind je nach Institution und Aufgabenbereich folgende Zulagen üblich:
- 13. Monatslohn
- Kilometer- oder Spesenentschädigung für Hausbesuche und Aussentermine
- Pikettzulage in Bereichen mit Notfall- oder Bereitschaftsdienst, zum Beispiel im Kindes- und Erwachsenenschutz
- Beiträge an Weiterbildungen
Die Angaben sind Richtwerte und können je nach Arbeitgeber, Kanton und Gesamtarbeitsvertrag abweichen.
Arbeitskleidung
Sozialarbeitende FH tragen bei der Arbeit im Sozialdienst oder in der Verwaltung normale Alltags- oder Bürokleidung, eine spezielle Arbeitskleidung wird von den Institutionen in der Regel nicht gestellt. Empfohlen wird ein gepflegtes, seriöses Erscheinungsbild, das Klientinnen und Klienten Vertrauen vermittelt und gleichzeitig bequem genug für Hausbesuche und Aussentermine ist. In einzelnen Arbeitsfeldern wie dem Justizvollzug oder in sozialmedizinischen Institutionen können institutionsspezifische Vorgaben gelten, beispielsweise der Verzicht auf auffälligen Schmuck aus Sicherheitsgründen. Persönliche Schutzausrüstung ist im Berufsalltag von Sozialarbeitenden FH normalerweise nicht erforderlich.
Berufsaussichten & Arbeitsmarkt
Ausbildung
Der Zugang zum Beruf erfolgt über ein Bachelorstudium in Sozialer Arbeit mit Vertiefung Sozialarbeit an einer Fachhochschule, das 180 ECTS-Punkte umfasst und in der Regel drei Jahre Vollzeit oder vier bis sechs Jahre berufsbegleitend beziehungsweise in Teilzeit dauert. Das Studium beinhaltet einen hohen Praxisanteil mit mehreren Praktika, die zusammen rund einen Drittel der Ausbildung ausmachen. An der Universität Freiburg ist zudem ein universitärer Bachelorabschluss in Sozialarbeit möglich, für den die gymnasiale Maturität ausreicht.
Ausbildungsinstitutionen
- Berner Fachhochschule BFH, Soziale Arbeit Bern
- ZHAW Departement Soziale Arbeit Zürich/Winterthur
- Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Olten
- HES-SO, Haute école de travail social Genf
- Universität Freiburg, Bachelor Sozialarbeit Freiburg
Arbeitsmarktlage
Die Beschäftigungssituation für Sozialarbeitende FH gilt als günstig: Rund ein Jahr nach dem Studienabschluss sind gemäss Erhebungen des Bundes über 95 Prozent der Absolvierenden erwerbstätig.
Offene Stellen in diesem Beruf
So wirst du Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter FH
Der Weg zum Beruf führt über ein Bachelorstudium in Sozialer Arbeit mit Vertiefung Sozialarbeit an einer Fachhochschule. Zugelassen wird, wer über eine Berufsmaturität, eine Fachmaturität, einen Abschluss einer höheren Fachschule oder eine gymnasiale Maturität sowie mindestens ein Jahr Arbeitserfahrung verfügt, davon drei bis sechs Monate im Sozialbereich. Zusätzlich müssen Bewerbende ein Aufnahme- oder Eignungsverfahren der jeweiligen Fachhochschule bestehen, das häufig Gespräche und eine schriftliche Prüfung umfasst. Das Studium dauert in Vollzeit drei Jahre und beinhaltet neben Theoriemodulen mehrere Praxiseinsätze in sozialen Institutionen, die zusammen rund einen Drittel der Ausbildung ausmachen. Wer bereits in einer sozialen Institution arbeitet, kann das Studium häufig auch berufsbegleitend absolvieren.
Anforderungen
- ausgeprägte Kontaktfreude und Kommunikationsfähigkeit
- Einfühlungsvermögen und Fähigkeit zum aktiven Zuhören
- Belastbarkeit im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen
- Fähigkeit zu professioneller Distanz und Selbstreflexion
- gute mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit für Berichte und Verfügungen
- Teamfähigkeit und Freude an der Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen
Arbeitgeber
Sozialarbeitende FH sind vor allem bei Sozialdiensten von Gemeinden und Städten sowie bei kantonalen Sozialämtern angestellt. Weitere wichtige Arbeitgeber sind Spitäler, psychiatrische Kliniken, der Justizvollzug, Non-Profit-Organisationen sowie Schulen mit schulsozialarbeiterischen Angeboten.
Weiterbildungen & Aufstiegsmöglichkeiten
Der Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit bildet die Basis für zahlreiche Spezialisierungen und Führungspositionen. Viele Fachhochschulen und Universitäten bieten passende CAS-, DAS- und MAS-Lehrgänge sowie konsekutive Masterstudiengänge an.
Weitere Wege mit diesem Beruf
Spezialisierung in einem Fachgebiet
Über CAS- oder MAS-Lehrgänge, zum Beispiel in Case Management, Sozialversicherungsrecht, Delinquenz und Resozialisierung oder Eingliederungsmanagement, können sich Sozialarbeitende auf ein bestimmtes Themenfeld spezialisieren.
Führung und Management
Mit Weiterbildungen in Sozialmanagement, Supervision oder Coaching bereiten sich Fachpersonen auf Leitungsaufgaben in Sozialdiensten oder Institutionen vor.
Vertiefung durch ein Masterstudium
Ein konsekutiver Master in Sozialer Arbeit vertieft wissenschaftliche und methodische Kompetenzen und öffnet den Zugang zu Forschung, Lehre oder anspruchsvollen Fachfunktionen.
Aufstiegsmöglichkeiten
- Teamleitung oder Bereichsleitung in einem Sozialdienst
- Fachverantwortung oder Fallführung in komplexen Dossiers
- Leitungsfunktion in einer Beratungsstelle oder Institution
- Berufsbeistandschaft im Erwachsenen- oder Kindesschutz
- Tätigkeit als Dozentin oder Dozent an einer Fachhochschule
- Fach- oder Projektstelle in der öffentlichen Verwaltung
Häufige Fragen
Kann ich ohne gymnasiale Maturität Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter FH werden?
Ja, der Zugang ist auch über eine Berufsmaturität, eine Fachmaturität oder einen Abschluss einer höheren Fachschule möglich. Voraussetzung ist zusätzlich mindestens ein Jahr Arbeitserfahrung, davon drei bis sechs Monate im Sozialbereich, sowie ein bestandenes Aufnahmeverfahren der Fachhochschule.
Wie lange dauert das Studium zur Sozialarbeiterin oder zum Sozialarbeiter FH?
Das Bachelorstudium dauert in Vollzeit in der Regel drei Jahre und umfasst 180 ECTS-Punkte. Wer berufsbegleitend oder in Teilzeit studiert, benötigt dafür meist vier bis sechs Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen Sozialarbeiter/in FH und Sozialpädagoge/-pädagogin FH?
Sozialarbeitende beraten Menschen vor allem zu Finanz-, Wohn- und Behördenfragen und arbeiten häufig in Sozialdiensten oder Sozialämtern. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen begleiten dagegen spezifische Zielgruppen im Alltag, etwa in Wohnheimen für Kinder, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung.
Ist ein Quereinstieg in den Beruf möglich?
Ein direkter Quereinstieg ohne Studium ist nicht möglich, da die Berufsbezeichnung an den Fachhochschulabschluss gebunden ist. Wer bereits im Sozialbereich arbeitet, kann das Bachelorstudium aber häufig berufsbegleitend absolvieren und die geforderte Arbeitserfahrung so mit dem Berufsalltag kombinieren.