Berufslexikon
Psychologe/-in
Psychologinnen und Psychologen befassen sich wissenschaftlich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten und wenden dieses Wissen an, um Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Sie klären ab, beraten, begleiten und behandeln Einzelpersonen, Paare oder Gruppen in Bereichen wie Gesundheit, Bildung, Wirtschaft oder Justiz. Der Beruf eignet sich für Menschen, die sich für menschliches Denken, Fühlen und Handeln interessieren, gerne wissenschaftlich fundiert arbeiten und einen engen Kontakt zu Menschen in belastenden Situationen schätzen. Die Berufsbezeichnung Psychologin oder Psychologe ist in der Schweiz gesetzlich geschützt und setzt einen universitären Masterabschluss voraus.
Das macht eine Psychologin oder ein Psychologe
Psychologinnen und Psychologen untersuchen und beschreiben das Erleben und Verhalten von Menschen und setzen dieses Wissen praktisch ein. Sie führen psychologische Abklärungen durch, erheben Testresultate und erstellen darauf aufbauend Diagnosen oder Einschätzungen. In Beratungs- und Therapiegesprächen unterstützen sie Klientinnen und Klienten dabei, mit psychischen Belastungen, Krisen oder Entwicklungsfragen umzugehen. Je nach Arbeitsfeld arbeiten sie eng mit Ärztinnen, Ärzten, Pflegefachpersonen, Sozialarbeitenden oder Lehrpersonen zusammen. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht zudem im Verfassen von Berichten, Gutachten und Krankengeschichten sowie in der Dokumentation des Behandlungsverlaufs.
Typische Aufgaben
- Psychologische Abklärungen und Diagnostik durchführen
- Beratungs- und Therapiegespräche mit Klientinnen und Klienten führen
- Testverfahren zur Erfassung von Denken, Verhalten und Persönlichkeit anwenden
- Befunde auswerten und schriftliche Berichte verfassen
- Mit Ärztinnen, Ärzten und weiteren Fachpersonen im interdisziplinären Team zusammenarbeiten
- Betroffene und Angehörige über Unterstützungsmöglichkeiten informieren
Ein Tag als Psychologin oder Psychologe
Tagesdienst · Psychiatrische Klinik
- Ankunft, E-Mails und Terminplan für den Tag durchsehen
- Interdisziplinäre Rapportsitzung mit Ärzteschaft, Pflege und Sozialdienst
- Diagnostisches Erstgespräch mit einer neu eingetretenen Patientin
- Durchführung eines psychologischen Testverfahrens
- Auswertung der Testergebnisse und Dokumentation
- Mittagspause
- Einzeltherapiegespräch unter fachärztlicher Supervision
- Gruppentherapie oder Psychoedukation mit mehreren Patientinnen und Patienten
- Fallbesprechung mit dem behandelnden Team
- Berichte und Krankengeschichten verfassen
- Abschluss des Arbeitstags und Vorbereitung des Folgetags
Hinweis: Der dargestellte Tagesablauf ist ein Beispiel und dient zur Orientierung. Je nach Institution, Einsatzbereich und konkreter Situation kann der tatsächliche Arbeitsalltag davon abweichen.
Arbeitszeiten
Psychologinnen und Psychologen arbeiten mehrheitlich in einem regulären Tagesarbeitszeitmodell mit Kernarbeitszeiten, wie es in Kliniken, Beratungsstellen oder der Verwaltung üblich ist. Vollzeit entspricht in der Regel rund 41 bis 42 Wochenstunden, wobei Teilzeitpensen zwischen 50 und 90 Prozent im Berufsfeld weit verbreitet sind. In stationären Institutionen wie psychiatrischen Kliniken kann gelegentlich Pikettdienst für Kriseninterventionen anfallen, ein eigentlicher Schichtbetrieb wie in der Pflege ist jedoch unüblich. Wer in eigener Praxis arbeitet, gestaltet die Arbeitszeiten weitgehend selbstständig nach den Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten.
Gehalt
Der Lohn hängt stark von Spezialisierung, Fachtitel, Arbeitgeber und Berufserfahrung ab. Die folgende Übersicht zeigt typische Bruttolöhne in der Schweiz.
| Stufe | Bruttolohn |
|---|---|
| Ausbildung | |
| Berufseinstieg | CHF 6'000-7'500 brutto pro Monat |
| Mit einigen Jahren Berufserfahrung | CHF 7'500-9'000 brutto pro Monat |
| In Spezial- oder Führungsfunktion | CHF 9'500-12'500 brutto pro Monat |
Zulagen und Zusatzleistungen
Neben dem Grundlohn sind je nach Institution folgende Zulagen üblich:
- Pikettzulage bei Notfall- oder Kriseninterventionsdienst
- Zulage für besondere Fachverantwortung, zum Beispiel als Fachpsychologin/Fachpsychologe FSP
- 13. Monatslohn gemäss Anstellungsbedingungen oder Gesamtarbeitsvertrag
Die Angaben sind Richtwerte, die effektive Entlöhnung variiert je nach Arbeitgeber, Kanton, Spezialisierung und Gesamtarbeitsvertrag.
Arbeitskleidung
Psychologinnen und Psychologen tragen in der Regel keine vorgeschriebene Berufskleidung, sondern gepflegte, professionelle Alltagskleidung, wie sie in Beratungs- und Bürotätigkeiten üblich ist. Die Institution stellt normalerweise keine spezielle Arbeitskleidung, ausser gegebenenfalls einem Ausweis oder Badge zur Identifikation innerhalb der Klinik. In stationären Bereichen von Spitälern oder psychiatrischen Kliniken gelten teilweise institutionsspezifische Hygienevorgaben, wenn direkter Kontakt zu medizinischen Behandlungsbereichen besteht. Spezielle Schutzkleidung ist für die eigentliche psychologische Tätigkeit nicht erforderlich.
Berufsaussichten & Arbeitsmarkt
Ausbildung
Der Weg zur Psychologin oder zum Psychologen führt über ein universitäres Bachelorstudium in Psychologie von drei Jahren Vollzeit, gefolgt von einem Masterstudium von zwei weiteren Jahren Vollzeit. Voraussetzung ist eine gymnasiale Maturität oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung. Der Zugang zum Masterstudium ist an einzelnen Hochschulen zusätzlich beschränkt, je nach Notenschnitt des Bachelorabschlusses. Erst mit dem erfolgreichen Masterabschluss wird der gesetzlich geschützte Titel Psychologin oder Psychologe verliehen, ein Bachelorabschluss allein berechtigt nicht zur eigenständigen Berufsausübung.
Ausbildungsinstitutionen
- Universität Zürich UZH Zürich
- Universität Bern UNIBE Bern
- Universität Basel Basel
- Universität Freiburg UNIFR Freiburg
- ZHAW Angewandte Psychologie Zürich
Arbeitsmarktlage
Die Arbeitslosenquote von Psychologinnen und Psychologen liegt gemäss berufsberatung.ch unter dem Durchschnitt, und die Zahl offener Stellen ist in den letzten Jahren gestiegen, insbesondere für spezialisierte Fachpersonen in Klinischer Psychologie, Psychotherapie oder Neuropsychologie. Für Neuabsolventinnen und Neuabsolventen ohne Spezialisierung bleibt der Berufseinstieg aufgrund der grossen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt hingegen anspruchsvoll.
Offene Stellen in diesem Beruf
So wirst du Psychologin oder Psychologe
Der Zugang zum Psychologiestudium erfolgt in der Regel über die gymnasiale Maturität oder eine gleichwertig anerkannte Vorbildung. Das Bachelorstudium dauert drei Jahre Vollzeit und vermittelt die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen der Psychologie. Im anschliessenden zweijährigen Masterstudium spezialisieren sich Studierende in einer Vertiefungsrichtung, etwa Klinische Psychologie, Neuropsychologie oder Arbeits- und Organisationspsychologie, und absolvieren erste fachpraktische Praktika. Erst der Masterabschluss berechtigt zur Führung des geschützten Titels Psychologin oder Psychologe. Wer später selbstständig psychotherapeutisch tätig sein möchte, benötigt zusätzlich eine mehrjährige, eidgenössisch oder von der FSP anerkannte Weiterbildung.
Anforderungen
- Ausgeprägtes Interesse an menschlichem Denken, Fühlen und Verhalten
- Freude an wissenschaftlichem und methodischem Arbeiten
- Einfühlungsvermögen und aktives Zuhören
- Hohe kommunikative und reflexive Fähigkeiten
- Psychische Stabilität und Belastbarkeit im Umgang mit schwierigen Schicksalen
- Fähigkeit, eigenständig und verantwortungsbewusst zu arbeiten
Arbeitgeber
Psychologinnen und Psychologen arbeiten hauptsächlich in psychiatrischen Kliniken und Spitälern, in ambulanten Beratungsstellen sowie in schulpsychologischen Diensten. Weitere Arbeitgeber sind Sozialversicherungen, die öffentliche Verwaltung, Hochschulen und private Institutionen, zudem lassen sich viele Fachpersonen nach einigen Praxisjahren in eigener Praxis nieder.
Weiterbildungen & Aufstiegsmöglichkeiten
Der Beruf bietet vielfältige Möglichkeiten zur fachlichen Spezialisierung und beruflichen Weiterentwicklung. Für viele klinische Tätigkeitsfelder, insbesondere die eigenständige Psychotherapie, ist eine mehrjährige postgraduale Weiterbildung mit eidgenössischem oder von der FSP anerkanntem Fachtitel Voraussetzung.
Weitere Wege mit diesem Beruf
Fachtitel Psychotherapie
Eine vier bis sechs Jahre dauernde, berufsbegleitende Weiterbildung führt zum eidgenössischen Fachtitel Psychotherapie und berechtigt zur eigenständigen psychotherapeutischen Tätigkeit.
Fachliche Spezialisierung
Weiterbildungen in Bereichen wie Kinder- und Jugendpsychologie, Neuropsychologie, Rechtspsychologie oder Gerontopsychologie ermöglichen eine gezielte Vertiefung und erhöhen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Führung
Mit zunehmender Erfahrung übernehmen Psychologinnen und Psychologen Leitungsfunktionen in Kliniken, Beratungsstellen oder Fachdiensten.
Selbstständigkeit
Nach abgeschlossenem Fachtitel eröffnen viele Psychologinnen und Psychologen eine eigene psychotherapeutische oder psychologische Praxis.
Aufstiegsmöglichkeiten
- Fachpsychologin/Fachpsychologe FSP für Psychotherapie
- Fachpsychologin/Fachpsychologe FSP für Neuropsychologie, Kinder- und Jugendpsychologie oder Rechtspsychologie
- Leitende Psychologin/Leitender Psychologe einer Abteilung oder Station
- Chefpsychologin/Chefpsychologe einer Klinik oder Institution
- Praxisinhaberin/Praxisinhaber einer eigenen Praxis
- Dozentin/Dozent oder wissenschaftliche Tätigkeit an einer Hochschule
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zur Psychologin oder zum Psychologen?
Das Bachelorstudium dauert drei Jahre und das anschliessende Masterstudium zwei weitere Jahre Vollzeit, insgesamt also rund fünf Jahre. Erst der Masterabschluss berechtigt zur Führung des geschützten Titels.
Kann ich mit einem Bachelorabschluss bereits als Psychologin oder Psychologe arbeiten?
Nein, der Bachelorabschluss allein qualifiziert nicht für eine eigenständige Berufsausübung. Mit einem Bachelor sind lediglich Assistenzaufgaben unter fachlicher Aufsicht möglich.
Was verdient eine Psychologin oder ein Psychologe in der Schweiz?
Der Lohn liegt beim Berufseinstieg meist zwischen CHF 6'000 und 7'500 brutto pro Monat und steigt mit Erfahrung und Spezialisierung deutlich an. In Führungs- oder spezialisierten Fachfunktionen sind auch höhere Löhne möglich.
Braucht es eine Zusatzausbildung, um Psychotherapie anzubieten?
Ja, die selbstständige psychotherapeutische Tätigkeit setzt eine mehrjährige, eidgenössisch oder von der FSP anerkannte Weiterbildung nach dem Masterabschluss voraus.
Gibt es einen Quereinstieg in den Beruf?
Ein direkter Quereinstieg ohne Psychologiestudium ist nicht möglich, da die Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt ist. Personen mit einem verwandten Hochschulabschluss können unter Umständen über eine Passerelle oder ein Zweitstudium einsteigen.