Ernährungsberater/in FH
Als Ernährungsberater/in FH unterstützt du gesunde und kranke Menschen dabei, ihre Ernährung an persönliche Bedürfnisse und Krankheitsbilder anzupassen. Du erstellst individuelle Ernährungspläne, führst Beratungsgespräche und begleitest Patientinnen und Patienten bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Nierenleiden ebenso wie gesunde Menschen bei einer Umstellung ihrer Essgewohnheiten. Der Beruf verbindet naturwissenschaftliches Fachwissen mit psychosozialer Beratungskompetenz und wird in Spitälern, Praxen, Heimen oder der Lebensmittelindustrie ausgeübt. Er eignet sich für Menschen, die sich für Ernährung und Gesundheit interessieren, gerne mit unterschiedlichsten Personen im Gespräch stehen und komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich vermitteln möchten.
Das macht eine Ernährungsberaterin FH
Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater FH klären im Gespräch die Lebenssituation, den Gesundheitszustand und die Ernährungsgewohnheiten ihrer Klientinnen und Klienten ab und erstellen darauf aufbauend eine Ernährungsdiagnose. Sie entwickeln individuelle Ernährungs- und Diätpläne, etwa für Menschen mit Diabetes, Nierenerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder nach einer Krebserkrankung. In Spitälern erkennen sie Mangelernährung frühzeitig und begleiten Patientinnen und Patienten während des Spitalaufenthalts sowie beim Übertritt nach Hause. Sie schulen auch Angehörige und Pflegefachpersonen, damit die Ernährungsempfehlungen im Alltag umgesetzt werden können. Ausserdem halten sie Vorträge zu gesunder Ernährung, wirken bei Präventionsprojekten mit und arbeiten eng mit Ärztinnen, Ärzten sowie Pflege- und Physiotherapiefachpersonen zusammen.
Typische Aufgaben
- Ernährungssituation und Essgewohnheiten von Patientinnen und Patienten erfassen
- Individuelle Ernährungs- und Diätpläne erstellen
- Menschen mit Diabetes, Nierenerkrankungen, Übergewicht oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten beraten
- Mangelernährung erkennen und behandeln
- Angehörige und Fachpersonen im Ernährungsalltag schulen
- Vorträge und Präventionsprojekte zu gesunder Ernährung durchführen
Ein Tag als Ernährungsberater/in FH
Tagesdienst · Akutspital
- Ankommen und Anmeldungen sowie Patientenakten des Tages sichten
- Erstgespräch mit einer neu zugewiesenen Patientin zur Ernährungssituation führen
- Ernährungsdiagnose stellen und individuellen Diätplan erarbeiten
- Rücksprache mit dem Ärzteteam zu Ernährungsfragen bei Risikopatientinnen und -patienten halten
- Mittagspause
- Verlaufsgespräche führen und bestehende Ernährungspläne anpassen
- Angehörige zum Umgang mit einer Diät nach dem Spitalaustritt schulen
- Beratungen im Patientendossier dokumentieren
- Unterlagen für eine bevorstehende Präventionsveranstaltung vorbereiten
- Arbeitstag abschliessen
Hinweis: Der dargestellte Tagesablauf ist ein Beispiel und dient zur Orientierung. Je nach Institution, Einsatzbereich und konkreter Situation kann der tatsächliche Arbeitsalltag davon abweichen.
Arbeitszeiten
Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater FH arbeiten in der Regel zu Bürozeiten, meist zwischen 07:30 und 17:30 Uhr, ohne klassischen Schichtbetrieb. In Spitälern und Kliniken richten sich die Termine nach den Visiten und der Verfügbarkeit der Patientinnen und Patienten, Wochenend- oder Nachtarbeit ist aber unüblich. Der Beruf wird häufig in Teilzeit ausgeübt, viele Institutionen bieten Pensen zwischen 60 und 100 Prozent an. Selbstständig erwerbende Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater gestalten ihre Arbeitszeiten flexibel nach den Terminen ihrer Klientinnen und Klienten.
Gehalt
Der Lohn hängt von der Berufserfahrung, dem Arbeitgeber und der Region ab und liegt bei einer Anstellung im Gesundheitswesen deutlich höher als bei einer selbstständigen Praxis im Aufbau. Die folgende Übersicht zeigt typische Bruttolöhne pro Monat.
| Stufe | Bruttolohn |
|---|---|
| Ausbildung | |
| Berufseinstieg | CHF 5'700-6'400 brutto pro Monat |
| Mit einigen Jahren Berufserfahrung | CHF 6'400-7'200 brutto pro Monat |
| In Spezial- oder Führungsfunktion | CHF 7'500-9'000 brutto pro Monat |
Zulagen und Zusatzleistungen
Neben dem Grundlohn sind in Institutionen des Gesundheitswesens folgende Zulagen üblich:
- 13. Monatslohn
- Kaderzulage bei Führungsverantwortung
- Beiträge an Fachliteratur und Weiterbildung
- Vergünstigungen für die Verpflegung am Arbeitsort
Die Angaben sind Richtwerte, effektive Löhne variieren je nach Arbeitgeber, Kanton und Gesamtarbeitsvertrag.
Arbeitskleidung
Wer in einem Spital oder einer Klinik arbeitet, trägt meist die von der Institution zur Verfügung gestellte Berufskleidung, etwa einen Kittel über der eigenen Kleidung, da der direkte Patientenkontakt hygienische Anforderungen stellt. In der eigenen Praxis oder bei Vorträgen kleiden sich Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater gepflegt und neutral, ohne dass ein einheitlicher Standard vorgeschrieben ist. Zusätzliche Schutzkleidung wie Handschuhe kommt punktuell zum Einsatz, etwa bei Küchenbegehungen oder Hygienekontrollen. Da es für diesen Beruf keine verbindliche schweizweite Vorschrift zur Arbeitskleidung gibt, entscheidet letztlich die jeweilige Institution.
Berufsaussichten & Arbeitsmarkt
Ausbildung
Der Weg zum eidgenössisch anerkannten Abschluss führt über ein Bachelorstudium in Ernährung und Diätetik FH. Vollzeit dauert das Studium 3 Jahre, berufsbegleitend oder im Fernstudium 4 bis 4.5 Jahre. Zugelassen wird, wer eine Berufsmaturität, eine gymnasiale Maturität oder eine gleichwertige Ausbildung vorweist und vor oder während des Studiums ein mehrwöchiges Pflegepraktikum in einer Institution des Gesundheits- oder Sozialwesens absolviert hat. Im Anschluss an das Studium ist ein obligatorisches, rund zehnmonatiges Praxis-Zusatzmodul in der Ernährungsberatung nötig, bevor der volle Berufstitel geführt werden darf.
Ausbildungsinstitutionen
Offene Stellen in diesem Beruf
So wirst du Ernährungsberater/in FH
Für die Zulassung zum Bachelorstudium Ernährung und Diätetik FH brauchst du eine Berufsmaturität, eine gymnasiale Maturität oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung sowie ein mehrwöchiges Pflegepraktikum in einer Institution des Gesundheits- oder Sozialwesens. Das Studium dauert 3 Jahre Vollzeit oder 4 bis 4.5 Jahre berufsbegleitend beziehungsweise im Fernstudium und verbindet Ernährungswissenschaft, Medizin und Beratungskompetenz mit einem hohen Praxisanteil in Praktika. Nach dem Studienabschluss folgt ein obligatorisches, rund zehnmonatiges Praxis-Zusatzmodul, bevor der volle Berufstitel geführt werden darf. Wer selbstständig oder in eigener fachlicher Verantwortung tätig sein will, braucht zusätzlich eine kantonale Berufsausübungsbewilligung.
Anforderungen
- Interesse an Ernährung, Medizin und Gesundheitsförderung
- Gute Kommunikations- und Beratungskompetenz
- Naturwissenschaftliches Verständnis und Freude am Lernen
- Einfühlungsvermögen im Umgang mit kranken Menschen
- Selbstständige und sorgfältige Arbeitsweise
- Freude an interdisziplinärer Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
Arbeitgeber
Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater FH arbeiten vorwiegend in Spitälern, Rehabilitationskliniken, Alters- und Pflegeheimen sowie in eigenen oder angestellten Ernährungsberatungspraxen. Weitere Arbeitgeber sind Krankenkassen, die Lebensmittelindustrie, Bildungsinstitutionen und öffentliche Gesundheitsdienste.
Weiterbildungen & Aufstiegsmöglichkeiten
Der Beruf bietet vielfältige Möglichkeiten zur fachlichen Vertiefung und zur beruflichen Weiterentwicklung. Mit wachsender Berufserfahrung übernehmen Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater zunehmend spezialisierte oder leitende Aufgaben.
Weitere Wege mit diesem Beruf
Master of Science in Ernährung und Diätetik
Der konsekutive Master an der BFH vertieft klinische und wissenschaftliche Kompetenzen und öffnet Türen zu Forschung, Lehre und erweiterten Beratungsrollen.
Fachliche Spezialisierung
Nach einigen Jahren Berufserfahrung ist eine Vertiefung möglich, etwa in klinischer Ernährung, Pädiatrie, Sporternährung oder Onkologie.
Selbstständigkeit
Nach zwei Jahren Berufserfahrung können Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater mit einer kantonalen Berufsausübungsbewilligung eine eigene Praxis eröffnen.
Lehre und Forschung
Mit entsprechender Weiterbildung sind Lehraufträge an Fachhochschulen oder eine Mitarbeit in Forschungsprojekten möglich.
Aufstiegsmöglichkeiten
- Leitung Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie in einer Institution
- Fachverantwortung und Standardsetzung im Spital
- Praxisinhaber/in in eigener Ernährungsberatungspraxis
- Dozentin oder Dozent an einer Fachhochschule
- Projektleitung in Gesundheitsförderung und Prävention
- Wissenschaftliche Mitarbeit in Forschung und Entwicklung
Häufige Fragen
Braucht es eine Berufslehre, bevor ich Ernährungsberater/in FH werden kann?
Nein, der Zugang erfolgt direkt über eine Berufsmaturität, eine gymnasiale Maturität oder eine gleichwertige Vorbildung sowie ein Pflegepraktikum. Eine vorgängige Berufslehre ist keine Voraussetzung.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Das Bachelorstudium dauert 3 Jahre Vollzeit oder 4 bis 4.5 Jahre berufsbegleitend beziehungsweise im Fernstudium. Danach folgt ein obligatorisches, rund zehnmonatiges Praxis-Zusatzmodul.
Wie viel verdient man als Ernährungsberater/in FH?
Der Lohn hängt stark von Erfahrung und Arbeitgeber ab, siehe dazu die Gehaltstabelle weiter oben. Zum Berufseinstieg liegt er meist im Bereich CHF 5'700-6'400 brutto pro Monat.
Kann ich mich als Ernährungsberater/in selbstständig machen?
Ja, nach zwei Jahren Berufserfahrung ist eine selbstständige Tätigkeit mit eigener Praxis möglich, sofern eine kantonale Berufsausübungsbewilligung vorliegt.
Wo kann ich das Studium in der Schweiz absolvieren?
Angeboten wird es an der Berner Fachhochschule BFH in Bern, an der Fernfachhochschule Schweiz FFHS sowie in der italienischen Schweiz über die SUPSI.